Sicherheit der biotischen Kohlenstoffeinbindung
Selbstverständlich ist die biotische Kohlenstoffeinbindung nur solange wirksam, bis sich die entsprechende herangewachsene Biomasse wieder zersetzt, der gebundene Kohlenstoff (C) wieder freigesetzt und die Fläche erneut bepflanzt wird oder auf natürliche Art sich wieder zu Wald entwickelt. Waldbrände, Stürme und Schädlinge können Waldflächen zerstören. Mit derlei Risiken sind die Wälder der Welt mehr oder weniger seit Jahrmillionen belastet, ohne dass dadurch die Balance im Kohlenstoffkreislauf bedeutsam destabilisiert worden wäre. Waldzerstörungen dieser Art sind lokale Ereignisse, die zum einen vom globalen Gesamt-system Wald und zum anderen insbesondere von nachwachsenden Bäumen bzw. Wäldern auf natürliche Weise aufgefangen und "repariert" werden. Bei bewirtschafteten Wäldern kann der Mensch zusätzlich förderlich eingreifen.
Die Gefährdung der Kohlenstoffbindung hinsichtlich einzelner Aufforstungsflächen ist denkbar. Sie kann aber dadurch minimiert werden, dass die dortige Kohlenstoffbindungsleistung durch weitere C-Bindungskapazitäten auf zusätzlich geschaffenen und an anderen Orten gelegenen Waldflächen abgesichert wird.
In diesem Sinne sorgt PrimaKlima für eine höchstmögliche Sicherheit seiner biotischen CO2-Kompensationsmaßnahmen:
Die im Einzelfall benötigten Projektflächen werden jeweils so bemessen, dass sich rechnerisch nach der Projektzeit (in der Regel 50 Jahre) eine mehrfache Zielerfüllung (in der Regel fünffach) ergibt.
PrimaKlima dimensioniert die für ein Kompensationsvorhaben jeweils benötigte Projektfläche so, dass in der Regel die fragliche Emissionsmenge - linear betrachtet - binnen 10 Jahren absorbiert ist. Dabei setzt PrimaKlima die konkret pro Hektar und Jahr zu erwartende Kohlenstoff-Einbindungsleistung grundsätzlich sehr konservativ an, so dass ggf. auftauchende Defizite an einigen Stellen durch faktische Überschüsse an anderen Stellen ausgeglichen werden. Die Kompensationsleistung weiterer Wachstumsjahrzehnte wird dem Projekt als Sicherheitsleistung zugerechnet; bei einer 50 jährigen Projektzeit (Regelfall bei PrimaKlima) ergibt sich so eine fünffache Zielerfüllung. Die Sicherheitsleistungen aller Projekte dienen der Permanenz der Summe aller von PrimaKlima bewirkten Kohlenstoffeinbindungen im Detail und im Ganzen. Auf diese Weise begegnet PrimaKlima (a) möglichen Fehleinschätzungen bei der Prognose der Kohlenstoffeinbindung, (b) geringeren Absorptionsraten als kalkuliert, (c) ungenügend berücksich-tigten Verlagerungseffekten und (d) nicht völlig auszuschließender Wiederfreisetzung von schon gebundenem Kohlenstoff.
Die Spender- und Sponsorengelder werden - sofern es der Geldgeber nicht ausdrücklich anders wünscht - auf mehrere Projekte in unterschiedlichen Regionen verteilt.
Der Einfluss lokaler Risiken bzgl. der Projektflächen wird dadurch minimiert, dass Kompensationsprojekte möglichst auf mehrere, weltweit gestreute eher kleine Projektflächen verteilt werden. Der gesamte PrimaKlima-Flächenpool (Mitte 2012: 85 km²) erstreckt sich derzeit auf über mehr als 700 Teilflächen, auf denen über 320 verschiedene Baumarten gepflanzt wurden.
Beispiel: "Entsorgungssoll" = 3 t CO2 in 10 Jahren (=0,03 ha), Erfüllungsfaktor = 5, Verteilung auf 3 Teilflächen; auf jeder Teilfläche werden binnen 50 Jahren 5 t CO2 absorbiert; bei Totalverlust von 2 Teilflächen wird die dritte Teilfläche noch immer das Soll erfüllen können - wenn auch erst nach 30 Jahren. Angesichts des folgenden dritten PrimaKlima-Sicherheitsfaktors ist der Umstand der zeitlichen Verzögerung aber ohne Bedeutung. Der folgende dritte Sicherheitsfaktor würde sogar den Verlust aller drei Teilflächen auffangen.
Hinsichtlich des den Geldgebern gegebenen Versprechens, bestimmte CO2-Mengen wieder aus der Luft herauszuholen, hat PRIMAKLIMA derzeit die Vorgabe mehr als 120 % erfüllt*.
Unabhängig von den zuvor genannten Punkten hat PrimaKlima einen Sicherheits-Flächenpool angelegt, der eine Sicherheitsleistung von mehr als 10.000 Tonnen CO2-Absorption - Jahr für Jahr - umfasst. Die mit den eingenommenen Spenden und mit sonstigen Einzahlungen verknüpften Aufforstungs- bzw. CO2-Kompensationsverpflichtungen sind damit zu mehr als 120 % erfüllt. Sie betrugen Ende 2010 pro Jahr 41.700 t CO2; die tatsächlich geschaffene Kompensationskapazität belief sich (unter Berücksichtigung von Ergebnissen des Monitorings) jedoch auf rd. 54.000 t CO2 jährlich.
Eine Alternative zur biotischen Kompensation bietet die technische Emissionsvermeidung, die allerdings erheblich teurer ist als der biotische Pfad. Grob gerechnet ist der technische Weg zu CO2-neutralem Agieren bei einer Kompensationszeit von 10 Jahren mehr als doppelt so teuer wie der Weg über PrimaKlima. Die technische Kompensation zielt aber nur auf die einfache, die bei PrimaKlima, wie gesagt, auf die mehrfache, in der Regel fünffache Wirkung. Das bedeutet: pro Tonne CO2, die der Luft erspart oder die wieder aus ihr herausgefiltert wird, ist der Weg zur CO2-Neutralität über einen technischen Kompensierer mehr als 10mal so teuer wie der über PrimaKlima. Anders ausgedrückt: Wenn PrimaKlima 100.000 Euro (ohne ausdrückliche Vorgabe für deutsche Projekte) erhält, werden in 50 Jahren rd. 50.000 t CO2 auf verschiedenen Standorten eingebunden sein; wenn ein technischer Kompensierer 100.000 € bekommt, können damit insgesamt etwa 5.000 t CO2-Emission vermieden werden.
Abstrakt gesehen mag man PrimaKlima entgegenhalten, dass CO2-Kompensation durch Wald nie so sicher sei wie Emissionsvermeidung via technische Projekte. Das mag zwar theoretisch betrachtet richtig sein, ABER: Durch die oben genannten Konditionen "fünffache Zielerfüllung", "Verteilung auf unterschiedliche Standorte", "CO2-Einbindungsüberschuß von z.Zt. 29 Prozentpunkten" wird in der realen Welt auf dem PrimaKlima-Weg auch höchste Sicherheit erreicht. Die technische Kompensation mag als theoretisch höherwertig behandelt werden, aber es bleibt der eklatante Unterschied - vgl. obiges Beispiel - von etwa 50.000 t CO2-Kompensation (auf verschiedene Flächen verteilt) gegenüber etwa 5.000 t.
Bei dieser Betrachtung von Kosten und Wirkung ist noch nicht erfasst, dass Aufforstungen anders als technische Projekte noch zahlreiche andere qualitativ bedeutsame Vorteile für die Erde, für die Natur in einzelnen Regionen und die dort lebenden Menschen mit sich bringen. PrimaKlima sucht und wählt bevorzugt Projekte aus, die zusätzliche ökologische und/oder soziale Effekte mit sich bringen:
PrimaKlima hat schon über 320 Baumarten gepflanzt hat, von Araukarien bis hin zu Spekboom. Bei mindestens einem Drittel der Projektflächen war die Bekämpfung von Bodenerosion ein bedeutender Zusatzeffekt. Das Kongo-Projekt (bisher rd. 3.000 ha) steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einführung holzsparender Öfen und befördert Bildungsmaßnahmen, die auf die Erhaltung von Bäumen und Wäldern abzielen. Es ging/geht in Argentinien darum, durch Bepflanzung völlig degradierter Böden mit Pionierpflanzen die Bodenqualität zu verbessern, um in einer zweiten Waldgeneration einheimische Baumarten etablieren zu können, in Mexiko darum, das Winterquartier des Monarchfalters zu bewahren. In Malaysia soll der Lebensraum für 10 Primaten erhalten bleiben. In Sachsen geht es u.a. darum, auf etlichen dem Kohletagebau folgenden Flächen die Biodiversität zu fördern, auf Madagaskar darum, durch Aufforstungen Verbindungsflächen zwischen noch vorhandenen Regenwaldstücken zu schaffen, um so zur Erhaltung der Vielfalt einer besonders artenreichen Regenwaldregion beizutragen. Es geht in Südafrika, im Kongo, in Nicaragua darum, Arbeitsplätze zu schaffen bzw. die Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen zu bewahren und etliches mehr.
Häufiger wird von Kritikern der Waldoption das Argument angeführt, die Wirkung von biotischen Kohlenstoffsenken, hier Wäldern, sei von großen wissenschaftlichen Unsicherheiten begleitet. Diese Unsicherheit kann sich aber nur auf bestehende, nahezu ausgewachsene Wälder beziehen. Die positive Senkenfunktion von Aufforstungen kann schwerlich bestritten werden (allenfalls ihre Dimension): sichtbar wachsende Bäume können ihre Biomasse nicht ohne Photosynthese (d.h. CO2-Absorption, Kohlenstoffeinbindung) bilden.
Ein anderes Argument von Aufforstungs"gegnern" warnt davor, dass bei weiterer globaler Erwärmung die Wälder in der Summe mehr CO2 abgeben würden, als sie aufnehmen könnten, so dass die Wälder allesamt zu Quellen von CO2-Emissionen werden könnten. PrimaKlima hält dagegen, dass selbstverständlich auch auf einer wärmer werdenden Erde weiterhin Bäume wachsen werden; sie tun es ja jetzt auch in unterschiedlichen Klimazonen. Fraglich ist die Anpassungsfähigkeit der vorhandenen Wälder, die allerdings - da der größte Teil bewirtschaftete Flächen sind - durch forstliche Maßnahmen optimiert werden können.
Besondere Anpassungsschwierigkeiten werden für Teile der borealen Wälder, also die in der nördlichsten Vegetationszone der Erde insbesondere in Teilen von Alaska, in nördlichen Bereichen von Kanada und Skandinavien und im nördlichen Russland stehenden Bäume und zum anderen für den Amazonas-Regenwald befürchtet. Das sind zweifellos zwei riesige Wald-Regionen, sprich: biotische Kohlenstoffspeicher, deren Umkippen zu Kohlenstofquellen die Klimaproblematik massiv verstärken würde. Aber dieser denkbare "tipping point" kann kein Argument gegen die Schaffung neuer Wälder in dafür geeigneten Regionen der Erde sein. Im Gegenteil! Je mehr bestehende Wälder in Schwierigkeiten kommen könnten, desto mehr statt weniger muss - in geeigneter Weise an geeigneten Standorten - aufgeforstet werden.
PrimaKlima achtet bei der Projektplanung darauf, dass Bäume gepflanzt werden, von denen zu erwarten ist, dass sie mit sich verändernden klimatischen Bedingungen zurechtkommen werden.