Das 2ºC-Ziel

Eine globale Erwärmung um mehr als 2° Celsius ist absolut unakzeptabel,

so lautet das Urteil von Wissenschaftlern und Politikern. Macht die Menschheit allerdings weiter wie bisher, könnten es lt. IPCC-Bericht mehr als 6 °C werden, mit höchst bedrohlichen Folgen. Die Fachleute präsentieren rigorose Forderungen: bis 2100 müsse das Niveau der CO2 -Emissionen weltweit pro Kopf auf 1 bis 2 Tonnen jährlich gesenkt werden. Dabei solle aus Gründen der Gerechtigkeit* gegenüber den sich technisch erst entwickelnden Ländern die Absenkung in den Industrieländern überpro-portional schnell voranschreiten: bis 2050 um mindestens 80 % gegenüber 1990. Das entspräche dort einer Reduzierung des jährlichen Pro-Kopf-Ausstoßes an CO2 um 10 t von derzeit durchschnittlich 12 t auf gut 2 t. (* ca. 2 Milliarden Menschen haben noch gar keinen Zugang zu moderner Energienutzung)

Mehr Infos gibt es im PDF "2Grad Ziel" zum Download

 
siehe auch: "...time is running out" - eine eindringliche Warnung des renommierten US-amerikanischen Klimaforschers James Hansen im Juni 2008 vor dem US-Kongress.

J. Hansen: "A level of no more than 350 ppm is still feasible, with the help of reforestation and improved agricultural practices, but just barely - time is running out"

(Quelle: www.columbia.edu/~jehl/2008/TwentyYearsLater_20080623.pdf)

Genau zwanzig Jahre nach seiner Sachverständigenaussage vor dem US-Kongress (er warnte schon damals die Öffentlichkeit davor, dass sich eine globale Erwärmung anbahne) forderte der international renommierte US-amerikanische Klimaforscher James Hansen im Juni 2008 erneut vor dem Kongress massivste Klimaschutzmaßnahmen ein. Heute wie damals sei es so, dass es eine große Kluft gebe zwischen dem, was von der Gemeinschaft der relevanten Wissenschaftler zum Thema globale Erwärmung verstanden sei und dem, was Politiker und die Öffentlichkeit davon wissen. Heute wie damals führe die unvoreingenommene Bewertung der wissenschaftlichen Daten zu Schlussfolgerungen, die für die Politik schockierend seien. Und heute wie damals könne er versichern, dass diese Schlussfolgerungen zu mehr als 99 Prozent zutreffend sein werden. (...)

Worum es gehe? Die bisherige Erwärmung scheine doch beinahe harmlos, weniger gefährlich als alltägliche Wetterschwankungen. Aber es sei bereits mehr Erwärmung im System, deren Wirkung allerdings durch die große Trägheit der Weltmeere verzögert sei. Die Klimaentwicklung nähere sich gefährlichen Kipppunkten (tipping points), an denen bedrohliche Veränderungen eintreten können, die kein Mensch rückgängig machen könnte.

An diesen Punkten können, so Hansen, z. B. Rückkopplungseffekte in Gang gesetzt werden, die zu einer beschleunigten Veränderung führen. Das arktische See-Eis sei solch ein aktueller ³ point: die globale Erwärmung führe zur Schmelze des See-Eises, wodurch der dunklere Ozean freigelegt wird, der daraufhin mehr Sonnenlicht aufnimmt, wodurch noch mehr Eis schmilzt usw. Das Ergebnis werde sein, dass bald - ohne zusätzliche Treibhausgase - die Arktis im Sommer eisfrei sein werde.

Weitere gefahrbringende tipping points (s.u.), so deutet Hansen an, zeichnen sich ab. (...)

Die beunruhigende Schlussfolgerung sei, dass ein sicheres Niveau der atmosphärischen CO2-Konzentration bei höchstens 350 ppm liege; es könne aber auch noch niedriger liegen. Die CO2-Konzentration betrage gegenwärtig allerdings schon 385 ppm und sie steige jährlich um 2 ppm. Die atemberaubende logische Konsequenz, so Hansen: das oft erklärte Ziel, die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, sei ein Rezept für ein globales Desaster, nicht aber für die Rettung. (...)

Hansen nannte weitere tipping points: die sich polwärts ausdehnenden ariden subtropischen Klimazonen mit Wüsten- und Steppenbildung; das weltweite Abschmelzen von Berggletschern, die das Trinkwasserreservoir für Hunderte Millionen Menschen sind, insbesondere im Himalaja, in den Anden und den Rocky Mountains; den Stress, unter den die Korallenriffe zunehmend geraten, jene "Regenwälder" der Ozeane, die Heimat von einem Drittel aller im Meer lebenden Arten sind. Die Gefahr für die Korallen rühre zum einen von der Erwärmung der Ozeane, zum anderen aber von der Übersäuerung der Meere her, einer direkten Folge zunehmender CO2-Konzentration.

Solche Phänomene, so Hansen, zeigen (Zitat:), "dass wir schon zu weit gegangen sind. Wir müssen atmosphärisches Kohlendioxid herunterdrücken, um den Planeten so zu erhalten, wie wir ihn kennen. Ein Niveau von nicht mehr als 350 ppm ist mit Hilfe von Aufforstungen und verbesserter landwirtschaftlicher Praxis immer noch machbar, aber nur noch gerade so - die Zeit läuft uns davon."

Im weiteren Verlauf seines Referates machte Hansen Ausführungen zu notwendigen Handlungsschritten, insbesondere im nationalen US-amerikansichen Kontext mit Blick auf das, was nach der Präsidentenwahl ab 2009 in und von den USA zu tun sei.

Wohl für all diese Aussagen gilt, was Hansen an einer Stelle seiner Rede mit speziellem Bezug sagte: "wenn die Politiker dabei bleiben, sich in den Haaren zu liegen, dann müssen die Bürger führen". PrimaKlima und seine Mitstreiter handeln schon längst in diesem Sinn!

Auf der Website des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) können Sie mehr zum Problem der tipping points lesen: Beitrag 1 und Beitrag 2.

. Das dort erwähnte mögliche, durch Klimawandel bedingte Waldsterben bezieht sich zum einen auf Teile der borealen Wälder, also die in der nördlichsten Vegetationszone der Erde insbesondere in Teilen von Alaska, in nördlichen Bereichen von Kanada und Skandinavien und im nördlichen Russland stehenden Bäume und zum anderen auf Probleme des Amazonas-Regenwaldes. Die Feststellung, dass dort bei fortschreitender Erwärmung (boreale Wälder) bzw. Erwärmung und Abholzung (Amazonasgebiet) ein Waldsterben drohe, ist kein Argument gegen Aufforstungen in anderen Regionen, im Gegenteil!

www.prima-klima-weltweit.de
07/2008 /he






Problem Absenkung