PK-Qualitätsstandard
der PrimaKlima-Projekte


Die seit 1991 von PrimaKlima geleistete Projektarbeit (derzeitiger Gesamtumfang: mehr als 73 Quadratkilometer Projektfläche, hälftig realisiert in sog. Industrieländern und in sog. Entwicklungsländern) ist bewusst außerhalb der Kyoto-CDM-Kriterien und -Regularien entwickelt worden, um mit geringst möglichem finanziellen Aufwand (aktuell 10 € pro emittierter Tonne bzw. 2 € pro absorbierter Tonne CO2 bei 5facher Sicherheit) ein Maximum an Kohlenstoffeinbindung und ein großes Maß an zusätzlichen ökologischen und sozialen Effekten zu erreichen.

Die Qualität der von PrimaKlima selbst gesteuerten Projekte wird wesentlich bestimmt durch den PrimaKlima-Kriterienkatalog (FSC-Kriterien, erweitert um Anforderungen bzgl. der Kohlenstoffeinbindung), den PrimaKlima-Fragebogen für Projektplaner und das spezielle PrimaKlima-Sicherheitskonzept mit dem Prinzip der mehrfachen Erfüllung der Kompensationsanforderung und weiteren Aspekten. Nähere Erläuterungen dazu siehe weiter unten.

PrimaKlima arbeitet ohne rechtlich einklagbare Flächenzuordnungen der durch Spenden/Sponsoring finanzierten Kompensationsmaßnahmen zu den Geldgebern. Bei Zahlungen ab 2.000 € erfolgt, wenn gewünscht, eine "buchhalterische" und jederzeit zu belegende Verknüpfung von Projektfläche und Spender/Sponsor, um diesem eine höhere Identifikation mit "seiner" Kompensationsfläche zu ermöglichen. Auskunft über diese Zuordnungen gibt ein detailliertes Register bei PrimaKlima, das Einzelheiten zu den Projektflächen ebenso wie zur Verknüpfung der Projektunterstützung durch den Spender/Sponsor mit der versprochenen Kompensationsleistung enthält. Die Datei kann bei Bedarf eingesehen werden. Kompensationszahlungen von weniger als 2.000 € dienen der Finanzierung der nicht zugeordneten Projektflächen. In jedem Fall - Zahlung über oder unter 2.000 € - wird die Kompensationsleistung den Geldgebern zwar bestätigt, sie bleibt aber im rechtlichen Sinn Eigentum von PrimaKlima. Keine Fläche wird doppelt zugeordnet.

Mit dem Eingang von Spenden und Sponsorengeldern werden stets neue Aufforstungen initiiert. In der Regel führen diese zu einer fünffachen Erfüllung der Kompensationsanforderungen. Seit 2010 kombiniert PrimaKlima auf Wunsch CO2-Absorptionen aus Projekten gemäß PK-Standard mit von Dritten generierten schon existenten Ex-Post-Zertifikaten (VERs) und zwar auf folgende Weise: Die Zertifikate decken 100 % der geforderten Kompensationsleistung. Sie sind anerkannte Greenhouse Gas Credits (GHGCs), die den Project Eligibility Criteria der weltweit tätigen Prüforganisation Société Générale de Surveillance (SGS) entsprechen. Sie stammen aus nach VCS+CCBS-Standard geplanten und durchgeführten Projekten Dritter. Die von PrimaKlima den Spendern/Sponsoren zugeordneten und dann definitiv stillgelegten Zertifikate werden in einem Auszug aus dem Register bei Face the Future aufgeführt. Das Register wird jährlich von PriceWaterhouseCoopers (PWC NL) geprüft.
Den SGS-Kriterien entsprechend berücksichtigen die Zertifikate in sich schon einen Sicherheitsabschlag. Zusätzlich erhöht PrimaKlima die Kompensationsleistung durch so viel Neuaufforstung aus dem sonstigen aktuellen PrimaKlima-Projektportfolio, dass eine dreifache Zielerfüllung erreicht wird, also für rd. 300% Sicherheit gesorgt ist. Das Ergebnis ist eine vollständige Kompensation durch schon sehr sichere Ex-Post-Zertifikate mit zusätzlicher zweifacher Zielerfüllung binnen 50 Jahren durch zusätzliche Aufforstung gemäß PK-Standard, deren Permanenz durch das PrimaKlima-Sicherheitskonzept (s.u.) gegeben ist.

Es steht jedem Nachfrager bei Geldzuwendungen ab 2.000 € frei, diese Variante ohne Kostennachteil (10 € pro emittierter, 3,33 € pro absorbierter Tonne CO2, Sicherheitsfaktor 3 statt 5) für sein Kompensationsvorhaben zu wählen.

Obgleich PrimaKlima aus den eigenen Aufforstungsprojekten keine rechtlich/marktmäßig relevanten Zertifikate generiert, ist es selbstverständliches Ziel von PrimaKlima, den Spendern/Sponsoren eine größtmögliche Sicherheit dafür zu geben, dass ihre vereinbarungsgemäß zu tilgende CO2-Last auch tatsächlich und anhaltend kompensiert wird. All denen, die sich nicht auf das PrimaKlima-Sicherheitskonzept (s.u.) verlassen möchten, empfiehlt PrimaKlima, die ihnen zugeordneten Projekte auf eigene Kosten von unabhängigen Gutachtern begleiten zu lassen. Dafür sichert PrimaKlima alle erforderliche Unterstützung zu. Dieses Angebot existiert nicht nur theoretisch, sondern wird in einzelnen Fällen real praktiziert.

Zu einzelnen Aspekten des Standards

    Das PRIMAKLIMA-Sicherheitskonzept s. auch Extraseite "Sicherheit Kohlenstoffeinbindung"
    Das PrimaKlima-Sicherheitskonzept besteht aus drei Säulen:
  • SÄULE 1: Der Einfluss lokaler Risiken bzgl. der Projektflächen wird dadurch minimiert, dass Kompensationsprojekte möglichst auf mehrere, weltweit gestreute eher kleine Projektflächen verteilt werden. Der gesamte PrimaKlima-Flächenpool (73 km²) erstreckt sich über mehr als 600 Teilflächen.
  • SÄULE 2: PrimaKlima dimensioniert die für ein Kompensationsvorhaben jeweils benötigte Projektfläche so, dass in der Regel die fragliche Emissionsmenge binnen 10 Jahren absorbiert ist. Dabei setzt PrimaKlima die konkret pro Hektar und Jahr zu erwartende Kohlenstoff-Einbindungsleistung grundsätzlich sehr konservativ an, so dass ggf. auftauchende Defizite an einigen Stellen durch faktische Überschüsse an anderen Stellen ausgeglichen werden. Die Kompensationsleistung weiterer Wachstumsjahrzehnte wird dem Projekt als Sicherheitsleistung zugerechnet; bei einer 50 jährigen Projektzeit ergibt sich so eine fünffache Zielerfüllung. Die Sicherheitsleistungen aller Projekte dienen der Permanenz der Summe aller von PrimaKlima bewirkten Kohlenstoffeinbindungen im Detail und im Ganzen. Auf diese Weise begegnet PrimaKlima (a) möglichen Fehleinschätzungen bei der Prognose der Kohlenstoffeinbindung, (b) geringeren Absorptionsraten als kalkuliert, (c) ungenügend berücksichtigten Verlagerungseffekten und (d) nicht völlig auszuschließender Wiederfreisetzung von schon gebundenem Kohlenstoff.
  • SÄULE 3: Unabhängig von Säule 2 hat PrimaKlima einen Sicherheits-Flächenpool angelegt, der mittlerweile mehr als 16 (!) Quadratkilometer mit etwa 12.000 Tonnen CO2-Absorption pro Jahr umfasst: Die mit den eingenommenen Spenden und sonstigen Einzahlungen verknüpften Aufforstungs- bzw. CO2-Kompensationsverpflichtungen beliefen sich Ende 2010 auf 41.700 t CO2 pro Jahr; die tatsächlich geschaffene Kompensationskapazität beträgt 53.800 t CO2 p.a., also 129 % der Verpflichtung.

    Insgesamt funktioniert das PrimaKlima-Sicherheitskonzept für alle Spender/Sponsoren wie ein Versicherungskonzept mit starker Rückversicherung: Risiken auf einzelnen Flächen / für einzelne Kompensationsvorhaben sind nicht ausgeschlossen, aber deren Einzelwirkung wird eingedämmt bzw. aufgefangen. PrimaKlima ist davon überzeugt, dass die Permanenz der Kohlenstoffeinbindung aller Kompensationszusagen durch das auf Übererfüllung und Risikostreuung beruhende PrimaKlima-Sicherheitskonzept hervorragend gesichert ist.

    Zum Aspekt "Verlagerung der CO2-Problematik (Leakage-Effekt)"
    Der Projektpartner wird im Fragebogen aufgefordert, mögliche Sekundäreffekte zu benennen, die zu einer Erhöhung oder zu einer Reduzierung von CO2-Emissionen in umliegenden Gebieten führen könnten. Diese Effekte werden von PrimaKlima gutachterlich quantifiziert und bei der zu erwartenden Speicherleistung der Projektfläche berücksichtigt. Darüber hinausgehende negative Effekte werden ggf. durch das PrimaKlima-Sicherheitskonzept (s.o.) aufgefangen.

    Zum Aspekt "Zusätzlichkeit der PrimaKlima-Projekte"
    Selbstverständlich achtet PrimaKlima darauf, dass seine Projekte zusätzliche Maßnahmen sind, die ohne die Zahlung der Kohlenstoff-Einbindungsprämie von PrimaKlima nicht hätten realisiert werden können (finanzielle Additionalität; s. Punkt 10 im Kriterienkatalog).

    Zum Aspekt "Methodik der Projektarbeit"
    Aufforstungen und waldbauliche Maßnahmen sind in einem langfristigen Bewirtschaftungs-, Waldschutz- und Finanzierungsplan festgelegt, der die Ziele des Projektes und die Maßnahmen zu deren Verwirklichung vorgibt. Dieser Plan erläutert insbesondere die potenziellen und geplanten Kompensationsleistungen.

    Bei der Kalkulation des Kohlenstoffspeichers, der durchschnittlich bei einer Projektrealisierung zu erwarten ist, geht PrimaKlima zunächst davon aus, dass 1 ha neu aufgeforsteter Fläche im Durchschnitt der ersten 50 Wachstumsjahre 10 t CO2 an oberirdischer Biomasse pro Jahr bindet. Diese pauschale Kalkulation von 10 t CO2 pro Jahr und ha (und deren evtl. Anpassung vor allem im Ausland) wurde/wird anhand wissenschaftlicher Studien (z.B. der TU Dresden bzgl. konkreter PrimaKlima-Aufforstungsfläche in Deutschland, TU München mit internationaler Literaturstudie) überprüft und erweist sich bisher als ausreichend konservative Annahme. Für jedes Projekt werden darüber hinaus spezielle Informationen (Wachstumsmodelle aus der Region, wissenschaftliche Artikel zum erwarteten Wachstum in der Region) eingeholt.

    Unter Berücksichtigung dieser Quellen wird die pauschale Annahme von 10 t CO2/ha*a äquivalent auf die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort umgerechnet. Auf diese Weise lässt sich jeder Spenden- bzw. Sponsorenzahlung die benötigte Flächengröße zuordnen.

    Im Projektverlauf wird geprüft, ob die veranschlagte Menge an CO2 tatsächlich eingebunden wird; neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden ggf. berücksichtigt. Die Prognose wird den Ergebnissen entsprechend angepasst. Eine Differenz zu den ursprünglich erwarteten Zahlen schlägt sich in einer Änderung des Sicherheits-Flächenpools von PrimaKlima (sowohl positiv, als auch negativ) nieder. Dem Spender/Sponsor werden ggf. Ausgleichsflächen aus dem Sicherheits-Flächenpool zugeordnet.

    Im Rahmen des Projektmonitorings verlangt PrimaKlima von seinen Projektpartnern nach Beendigung jeder Maßnahme und vor der vollständigen Auszahlung der zugesagten Projektfinanzierung GPS-Daten zur Fläche, einen Bericht mit der Anzahl der gepflanzten Bäume, differenziert nach Baumarten, und Fotos der Fläche vor und nach der Aufforstung. Danach sind in den ersten fünf Jahren jährlich und dann mindestens alle fünf Jahre von den Projektpartnern Berichte anzufertigen mit detaillierten Angaben zur Vitalität, zum Höhenzuwachs und zum Basisdurchmesser der Pflänzlinge, außerdem Fotos der Flächen und Aussagen zu Schutzmaßnahmen (z.B. gegen Vergrasung, Schädlingsbefall, Trockenheit, Feuer etc.) und ggf. zu durchgeführten oder noch notwendigen Nachpflanzungen. PrimaKlima berichtet den Spendern/Sponsoren über die Entwicklung der ihnen ggf. zugeordneten Projektflächen.

    Zum Aspekt "Transparenz"
    Vor jeder Aufforstung bzw. vor jedem waldbaulichen Vorhaben werden die Eigentums- und Besitzansprüche sowie die Nutzungsrechte an den Land- und Forstressourcen geprüft und dokumentiert. Eigentums- und Nutzungsrechte sowie andere Vorteile, die aus dem Projekt entstehen, verbleiben beim Projektpartner. Lediglich die Rechte an den Kompensationsleistungen des Projektes gehen teilweise oder insgesamt auf PrimaKlima über.

    PrimaKlima und der Partner vor Ort anerkennen und respektieren die Eigentums- und Besitzansprüche sowie die Nutzungsrechte indigener Bevölkerungsgruppen und anderer legitimer Interessengruppen.

    Projektsteckbriefe inklusive der in der Planung befindlichen Projekte sind im PK-Netzauftritt frei zugänglich. Fast alle der über 600 Projektflächen sind mit Hilfe eines georeferenzierten Links (Google Earth/Maps) im PrimaKlima-Netzauftritt lokalisiert.

    Zum Aspekt "Zusätzliche Leistungen",
    (abgesehen von der Kohlenstoffeinbindung)
    PrimaKlima sucht und wählt bevorzugt Projekte aus, die zusätzliche ökologische und/oder soziale Effekte mit sich bringen. Das hat dazu geführt, dass PrimaKlima schon über 320 Baumarten gepflanzt hat, von Araukarien bis hin zu Spekboom. Bei mindestens einem Drittel der Projektflächen war die Bekämpfung von Bodenerosion ein bedeutender Zusatzeffekt. Das Kongo-Projekt (bisher rd. 2.300 ha) steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einführung holzsparender Öfen und befördert Bildungsmaßnahmen, die auf die Erhaltung von Bäumen und Wäldern abzielen. Es ging/geht in Argentinien darum, durch Bepflanzung völlig degradierter Böden mit Pionierpflanzen die Bodenqualität zu verbessern, um in einer zweiten Waldgeneration einheimische Baumarten etablieren zu können, in Mexiko darum, das Winterquartier des Monarchfalters zu bewahren. In Malaysia soll der Lebensraum für 10 Primaten erhalten bleiben. In Sachsen geht es u.a. darum, auf etlichen dem Kohletagebau folgenden Flächen die Biodiversität zu fördern, auf Madagaskar darum, durch Aufforstungen Verbindungsflächen zwischen noch vorhandenen Regenwaldstücken zu schaffen, um so zur Erhaltung der Vielfalt einer besonders artenreichen Regenwaldregion beizutragen. Es geht in Südafrika, im Kongo, in Nicaragua darum, Arbeitsplätze zu schaffen bzw. die Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen zu bewahren und etliches mehr.